Ich „sehe“ nur die Vergangenheit … Eine spirituelle Behauptung?

Alles, was ich sehe, ist die Wahrnehmung von Licht mit dem biologischen Auge, kombiniert mit Erfahrungen aus der Vergangenheit und das daraus entstandene „Bild“.

Unsere biologischen Augen leisten den größten Teil der Arbeit der Sinnesorgane. Das Auge liefert uns 80 % unserer Sinneseindrücke.

Dabei leitet das Auge seine visuelle Wahrnehmung von Licht weiter. Und es passiert folgendes:

Das Licht löst im Auge auf der Netzhaut eine chemische Reaktion aus, bei der ein spezifischer elektrischer Impuls entsteht, der über Nervenbahnen zu höheren, den sogenannten optischen Gehirnzentren, weitergeleitet wird. Auf dem Weg dahin, nämlich schon in der Netzhaut, wird der elektrische Reiz verarbeitet und für die höheren Zentren so aufbereitet, dass diese mit der gelieferten Information entsprechend „umgehen“ können. Auf der Netzhaut selbst entsteht ein reelles auf dem Kopf stehendes Bild. (Die Welt steht auf dem Kopf.)

Die erhaltene Information wird mit Informationen (Erfahrungen und Konditionierungen) aus anderen Gehirnbereichen abgeglichen. Aus der sekundären Sehrinde ziehen Nervenfasern praktisch in alle Gehirnregionen. Und so entsteht nach und nach ein Gesamteindruck des Gesehenen, in dem nun viele weitere Informationen wie beispielsweise die Entfernung, Bewegung und vor allem die Zuordnung, um welche Art von Objekt es sich handelt, einfließen.

Weiterführend muss man noch die psychologischen Konsequenzen, die sich aus dem Gesehenem ergeben, dazu zählen. Nachdem die Information in der Sehrinde des Gehirns angekommen ist, findet eine Analyse und Interpretation statt. Es entsteht ein fiktives Modell zur Darstellung des Seheindrucks, mit dessen Hilfe die Konzentration auf spezifische Details des Gesehenen gelenkt wird. Die Interpretation ist stark von der individuellen Entwicklung des Betrachters (Bewusstsein) abhängig. Erfahrungen und Erinnerungen beeinflussen diesen Prozess unwillentlich, so dass jede Person in jedem Fall ihr „eigenes Bild“ aus einer visuellen Wahrnehmung kreiert.

Man gehe davon aus, dass eine Person ein Bild anschaut. Nachdem nun das Bild bewusst geworden ist, beginnt die kognitive (Kognition = Informationsverarbeitungsprozess) Verarbeitung. Die kognitive Verarbeitung lässt sich in drei Arbeitsschritte unterteilen. Zunächst findet eine Globalauswertung statt. Das Bild wird analysiert und Objekte werden kategorisiert (beispielsweise 2 Personen im Vordergrund, ein Feld im Hintergrund).
Durch das visuelle Erleben werden Erfahrungen gesammelt und den gesehenen Dingen werden Prioritäten zugeteilt, die sich nach entsprechenden Kriterien (z.B. Wichtigkeit, Relevanz zur Problemlösung, Interesse, Absicht) richten.
Bei einer neuen ähnlichen visuellen Wahrnehmung kann dann auf diese Information zurückgegriffen werden und eine Verarbeitung kann wesentlich schneller ablaufen. Dann geht es zur Detailauswertung über. Nach einer erneuten und genaueren Betrachtung und Abtastung der Objekte auf dem Bild, geht die Person dazu über, die hervorstechenden Objekte zu analysieren (beispielsweise Erkennen der Personen ,Handlung …)
Im letzten Schritt kommt die elaborative Auswertung (Elaboration = vertiefte Informationsverarbeitung auf Grund vorhandener Informationen, persönliche Färbung).

Es wird ein sogenanntes mentales Modell entwickelt ähnlich einer Vorstellung, in die nun aber auch Information aus anderen Gehirnbereichen einfließen, zum Beispiel Erinnerungen, an die im Bild erkannten Personen.
Da nun neben dem visuellen Wahrnehmungssystem sehr viele andere Systeme ihren Einfluss auf ein solches mentales Modell ausüben, muss die Auswertung als sehr individuell angesehen werden.
Jede Person wird auf Grund von Erfahrungen und Lernprozessen in anderer Weise das Bild auswerten und sich entsprechend auf bestimmte Details konzentrieren und andere dagegen ausblenden.

Hinzu kommt, dass wenn unser Sehen mit den Augen eine Wahrnehmung von Licht ist, wir immer eine zeitliche Verzögerung im Sehen haben und somit auch hier nur die Vergangenheit sehen, seien es auch nur wenige Nanosekunden.

Nun, nachdem wir das alles wissen, ist die oben aufgestellte Behauptung keine Behauptung mehr sondern eine „wissenschaftlich“ bestätigte Tatsache und daher für jeden verständlich.

Wie wäre es nun, zu probieren, anstatt zu sehen, zu „schauen“. Also das Wahrgenommene nicht zu benennen, in Bezug setzen zu, zu analysieren, zu beurteilen … sondern einfach nur schauen, aus der neutralen Annahme heraus, dass ich nichts über das weiß, was ich sehe und es so im Jetzt – Moment  spontan schauen / beobachten kann ….

Das heißt: In dem Moment … „Nachdem nun das Bild „bewusst“ geworden ist … innehalten und beobachten.

Nun sagt ebenfalls der „Kurs in Wundern“ in seiner 7. Lektion:

„Ich sehe nur die Vergangenheit“

Hier ist sicher nicht unbedingt oben beschriebenes nicht allein als grundlegend anzunehmen und  doch finde ich diese Aussage sowohl im rein biologischen Sinne als auch im spirituellen Sinne bestätigt.

Wenn ich mir bewusst darüber bin, dass ich immer nur mit meinem „Verstand“ auf die Vergangenheit schaue und das nun auch noch mit meinen biologischen Instrumenten wie Augen und Gehirn bestätigt bekomme, bleibt mir da nicht tatsächlich nur eines, um „klar“ zu sehen?

Gewahrsein. Kann ich denn nicht nur im vollen Gewahrsein, als reiner Beobachter wirklich erkennen und schauen?

Es ist so einfach … aber einfach ist nicht immer leicht.

Und der/die Meister/in macht die Übung.

I SEE YOU

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