Was mache ich mit der Angst?

Zuerst einmal finde ich es bedeutend, zu erkennen, woher die Angst kommt.

Ist es nicht so, dass wir unterschwellig ein Unbehagen fühlen können, ohne erklären zu können, woher es kommt? Und dann versuchen wir uns abzulenken, um nicht weiter forschen zu müssen, was sich da tief in uns bemerkbar macht. Aber wenn wir es nicht anschauen, wird es uns immer wieder ankriechen.

Zum einen wundert mich gar nichts mehr in Bezug auf diese Angst. In einer harten, stumpfsinnigen Ellenbogen – Gesellschaft, wie der unsrigen zu leben, mit ihrer auf ständigen Wettbewerb ausgerichteten Erziehung, die man uns von klein auf an angedeihen lässt und die unweigerlich Angst vor Versagen hervor rufen muss, sind wir alle mit unterschwelligen Ängsten belastet.

Und ich meine hier nicht den instinktiven Fluchtinstinkt bei drohender Gefahr.

Ich meine hier eher die sogenannten „psychologischen“ Ängste.

*

Wir alle leben mit einer kraftvollen Einrichtung im Bewusstsein. Unser Glaube ( nicht Religion ). Wir hören etwas und wenn es uns glaubhaft erscheint, glauben wir es und dadurch wird es für uns zur Realität. So wie damals der Weihnachtsmann, die Erde als Scheibe oder der Zaubertrick gestern im TV.

Glaube ist also sehr kraftvoll und wir können uns das, was wir nicht glauben gar nicht so richtig vorstellen. Aber das was wir glauben … davon haben wir ganz tolle Bilder in unserem Verstand.

Etwas, was fast alle Menschen glauben ist, dass wir immer etwas tun müssen. Wir müssen tun, um zu werden und zu bekommen … Und davon gibt es Millionen Konzepte und kein Mensch hinterfragt all diese Dinge … Wir werden so programmiert von der Gesellschaft, der Kultur, den Religionen.

Und so versuchen wir unser ganzes Leben zu tun und zu tun und noch mehr zu tun. Egal was, wir haben immer etwas zu tun. Sonst können wir ja nicht werden und bekommen. Das sitzt so tief.

*

Und auf Grund dieses hartnäckigen und oft unbewussten Glaubensmusters fürchten wir uns alle davor, etwas nicht zu erreichen, zu bekommen oder zu werden. Wir fürchten uns davor zu verpassen, zu versagen, zu verlieren …

Wir alle fürchten uns also vor irgendetwas. Vielleicht nicht alle gleichzeitig in diesem Moment, aber jeder hat seine eigenen Ängste. Manche sind sich dieser Ängste bewusst, andere nicht. Trotzdem behaupte ich, dass jeder weiß, wovon ich hier schreibe.

Also, nochmal. Jeder hat vor irgendetwas Angst. Und hinter jeder Angst steckt eine Geschichte, ein Ding, ein Objekt. Es gibt keine abstrakte Angst … manchmal erscheint es uns so. Dennoch können wir in genauerer Betrachtung erkennen, was hinter der Angst steckt.

Nun frage ich Dich. Kennst Du Deine Ängste? Wenn Du sie wahrnimmst, was tust Du im Allgemeinen?

Du läufst davon!

Oder … Du erfindest Trugbilder, Ideen, Konzepte, um sie zu verdecken, zu verdrängen, Dich abzulenken, zu beruhigen …

Du hast verschiedene Strategien entwickelt. Schau genau hin und prüfe das nach. Alles, was ich hier schreibe, kannst Du nachprüfen.

Wir entwickeln also in unserem Leben eine Menge „Fluchtmöglichkeiten“ um unseren Ängsten nicht direkt zu begegnen. Somit sollten wir nicht nur die Ängste sondern auch das Netz der unbewussten Fluchtmöglichkeiten erkennen und durchschauen.

Schauen wir also was Angst ist. Es ist im ersten Schritt nicht wichtig, wovor wir uns fürchten sondern zu erkennen, was Angst ist.

Ich meine, dass der Prozess, der von der angeblichen Gewissheit zur Ungewissheit führt eine Art der Angst ist, die wir empfinden. Ich habe ein Bild von den Dingen gemacht, von mir, von der Welt … von allem, was ich zu kennen glaube. Und wenn dieses Bild ins Wanken gerät, verspüre ich Angst. Dagegen wehre ich mich, dann ich möchte Sicherheit in meinem Leben und diese Sicherheit ziehe ich aus meinem Wissen. So führt Un – gewissheit zu Angst. Und irgendwann wird dieser Prozess so automatisch, dass ich nur noch die Angst spüre, ohne den Prozess dahinter wahrzunehmen.

Und auch wenn ich in diesem Moment keine Angst empfinde, da ich sicher hier in meinem Büro sitze, niemand mich bedroht und es mir gut geht … kann ich doch häufig unterschwellig eine Angst wahrnehmen … Angst vor der Zukunft, Angst vor bestimmten Situationen … in Bezug auf etwas keine Gewissheit zu haben macht Angst.

Was erkenne ich daraus? Ich mache meine Angst selbst … indem ich Geschichten erfinde und diesen Geschichten dann durch meinen Glauben Macht verleihe.

Nehmen wir nun Deine ganz persönliche Art der Angst. Kannst Du darauf schauen. Kannst Du Deine Reaktionen beobachten? Kannst Du darauf ohne Fluchtversuch, ohne Rechtfertigung, Verurteilung oder Unterdrückung schauen? Kannst Du zum Beispiel auf Deine Angst vor dem Tod schauen, ohne die Geschichte oder das Wort, das die Angst vor dem Tod erweckt?

Die Geschichte oder das Wort erzeugen einen Schauder, so wie das Wort Liebe seine eigene Spannung, seine eigene Art von Energie in Dir erzeugt.

Ist es also nicht das Bild, die Geschichte, das Wort von dem Tod … sind das nicht die Dinge, welche die Angst erzeugen? Verursacht das Wort oder das Bild des Todes Angst oder das tatsächliche Aufhören des Lebens?

Kommt die Angst nicht durch Deine Vorstellung, wie der Tod sich anfühlen könnte, dass es Schmerzen geben könnte, dass Du noch nicht alles erlebt hast, was Du erleben wolltest?

Und wenn es nun tatsächlich die Bilder, Worte, Geschichten sind, die diese Empfindungen in Dir erzeugen und Du lässt mal diese Worte, Geschichten und Bilder beiseite, wo ist dann die Angst?

Ist da überhaupt etwas ohne die Vorstellungen, Bilder, Ideen … ohne all diese Dinge?

Jetzt kannst du fragen: „Aber was ist mit meinen anderen Ängsten?“

Schauen wir auch da genauer hin. Gibt es verschieden Ängste oder gibt es nur eine Angst und wir zerlegen sie nur in verschiedene Formen?

Ich denke es gibt nur „die Angst“.

Die „Objekte“ der Angst verändern sich … die Geschichten, Worte, Ideen, Vorstellungen, Situationen … aber Angst ist immer dasselbe.

Wenn wir nun erkannt haben, dass

  1. Angst von uns selbst gemacht ist, durch die Geschichten, die wir uns selbst erzählen … und
  2. Angst an sich ohne Geschichte gar nicht existiert … dann können wir sagen
  3. Dass wir somit das Unterbewusste beiseite tun können.

Denn wenn wir diesen ganzen Vorgang … Gedanken produzieren Geschichten … produzieren Angst in das Bewusstsein bringen … dann ist das Unterbewusste bewusst.

Durch die einfache Art der genauen Betrachtung können wir überprüfen und erkennen …

Du zweifelst immer noch?

Prüfen wir es. Reine Betrachtung … Gewahrsein … ist nur möglich, wenn der Verstand sehr ruhig ist. So wie wir auch nur einem anderen tatsächlich zuhören können, wenn unser Verstand nicht ständig schwatzt. Wenn er in diesem Moment keine Zwiesprache mit sich führt über all seine Probleme und Sorgen.

Lass uns also in dieser Art auf die Angst schauen. Ohne auch nur irgendetwas damit zu versuchen. Wir versuchen nicht sie aufzulösen, wir versuchen nicht mutig zu sein, wir versuchen nicht davon zu laufen. Wir versuchen nicht sie zu kontrollieren oder sie los zu werden. Wir versuchen auch nicht sie zu verstehen.

Wir können einen Baum oder eine Wolke in aller Ruhe betrachten, weil wir diesen Dingen nicht allzu große Bedeutung geben. Sich selbst anzuschauen, ist um einiges schwieriger, weil unsere programmierten Reaktionen so unglaublich schnell sind.

Versuchen wir also, mit der Angst in Kontakt zu treten mit einem ruhigen und leeren Verstand.

Wenn wir versuchen jede einzelne Geschichte der Angst, sei sie aus der Kindheit oder aus einem Trauma resultierend … wenn wir uns jede einzelne Geschichte anschauen, werden wir nie fertig werden.

Aber wenn die Angst an sich, die bei jeder Geschichte eben nur ANGST ist … wenn wir uns diese Angst anschauen … wenn wir sie treffen und sie zu uns einladen, um sie zu erleben … zu erfahren, werden wir entdecken, dass ohne Geschichte keine Angst mehr da ist. Ohne Geschichte, ohne Worte, ohne Idee, ohne Vorstellungen ist keine Angst da.

Eine zusätzliche Form der Betrachtung kann uns noch mehr Klarheit bringen.

Wer ist es, der Angst hat?

Der, der Angst hat, ist eine Vorstellung im Verstand … die Vorstellung davon, wer ich bin und was mir alles passieren könnte. Auch hier erkennen wir ganz schnell, dass unsere Angst nicht wirklich existiert. Das „Ich“, dass Angst hat, ist der Zensor, der ohne Angst sein möchte. Er ist die Gesamtheit all seiner Erfahrungen, Vorstellungen und Geschichten über die Angst. Fortwährend versucht dieses „Ich“ die Angst zu überwinden oder ihr zu entrinnen und daher kommt dieser ständige Kampf zwischen ihm und der Angst. So eine Energieverschwendung.

Wenn Du acht gibst, erkennst Du, dass dieses „Ich“ nur ein Bündel von Gedanken und Erinnerungen ohne Gültigkeit und Substanz ist. Versuche es zu treffen … lade es ein. Du wirst nichts weiter sehen als Erinnerungen, Bilder, Gedanken und Vorstellungen.

Ist nun dieses Ich verschieden von der Angst?

Nein … beide sind nicht tatsächlich da und beide sind von Dir gemacht. Das Ich, das sich fürchtet, ist selbst die Angst, denn es ist gemacht aus den gleichen Geschichten wie die Angst. Also lade beide zu Dir ein, in Dein Gewahrsein und Du wirst erkennen, dass beide nicht existieren … außer in den Vorstellungen, Gedanken, Ideen im Verstand …

Und auch diesen kannst Du wieder einladen … er ist ebenfalls nur aus Gedanken und Erinnerungen, aus Geschichten und Vorstellungen gemacht … Lade ihn zu Dir ein. Und siehe was geschieht.

I SEE YOU

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