Wir basteln uns eine Identität …

Schon von Kindheit an vermittelt uns unsere Umgebung, unsere Kultur ein klares Bild davon, welche Person wir sind und welche wir zu sein haben oder werden sollen. Und die meisten versuchen von ganzem Herzen und mit aller Kraft, diese Person zu werden.

Eine Zeit lang ist das absolut in Ordnung.

Alle Menschen, die das wahrhaftig hinterfragen, werden sich bewusst, dass sie ihre „Identität“ aus Informationen konstruiert haben, die letztendlich reine Vorstellungen sind. Vorstellungen zusammengesetzt, aus dem, was andere ihnen erzählt haben und daraus, wie sie behandelt wurden. Daraus haben sie dann die Schlussfolgerung gezogen, wer sie sind.

Wir alle basteln uns eine Identität, eine Persönlichkeit, basierend auf den Interpretationen dessen, was alle Aussagen über uns bedeuten „könnten“ und daraus wird dann der geformt, der man zu sein glaubt.

Solche Konstruktionen gibt es minutiös tausendfach in allen Bereichen. Und das spielt sich sowohl im Verstand als auch im emotionalen und energetischen Bereich ab. Überall dort, wo wir uns „persönliche“ Bezugspunkte geschaffen haben. All diese Vorgänge operieren auf der gleichen Basis: einem irrigen Glauben, geboren aus Vorstellungen, die wir als etwas deklarieren, was sie gar nicht sind.

Im Bereich des Verstandes werden Gedanken und Vorstellungen als das verkauft, was wir tatsächlich zu sein scheinen. Im emotionalen Bereich sind es die Gefühle, im physischen die Körperempfindungen und im energetischen alle entsprechenden Muster.

Die spirituelle Welt bestätigt diese These, indem sie Menschen darin bestärkt, zwischen dem wahren Selbst und dem unwahren Selbst zu unterscheiden und zwischen eigenen und fremden Gedanken, Empfindungen und Energien. Die Psychologen tun es ihnen gleich und setzen noch einen drauf indem sie zwischen wahren und unwahren Gefühlen, Empfindungen und energetischen Frequenzen unterscheiden. Aber wer unterscheidet denn zwischen wahr und unwahr und zwischen eigenen und fremden? Und was ist eigen und fremd, wenn es kein persönliches Ich gibt?

All diese Erscheinungen … Gedanken, Empfindungen und energetische Frequenzen sagen nichts über einen imaginären JEMAND aus. Sie sind einfach das was sie sind. Gefühle, Gedanken, Frequenzen .. ohne mein und dein und einer Geschichte dazu.

Außerdem scheinen wir besonders programmiert zu sein, bestimmte Erfahrungen zu bevorzugen und andere wiederum zu vermeiden oder gar abzulehnen, da diese nicht zu unserer Vorstellung von uns selbst passen.

Die Pathologisierung menschlicher Erfahrungen ist ebenfalls ein Übel, dass sich als Wahrheit getarnt hat. Es ist absurd zu versuchen, bestimmte Erfahrungen gänzlich zu vermeiden, oder diese gar loszuwerden, damit sie akzeptabel sind. Das wäre das Gleiche, als würde ein Baum sich beschweren, dass er kein Baum sein kann, solange ein Vogel auf seinem Ast sitzt. Wir sind reines Bewusstsein, und wir beinhalten alles was erscheint … was kommt und geht … Gefühle, Gedanken, Empfindungen, Vorlieben, Ängste, Vorstellungen und sogar Identifikationen. Nichts muss verschwinden. Wohin sollte es auch. Alles ist in uns. Als reines Bewusstsein ist es aus uns und durch uns.

Psychologische Beurteilungen deuten an, dass wir so nicht akzeptabel sind. Und spirituelle Methoden, die das Erwachen als Ziel haben, meinen, dass bestimmte Gedanken oder Gefühle Hindernisse auf dem spirituellen Weg sind. Denn wie können wir erwacht sein und trotzdem Wut, Angst oder Traurigkeit wahrnehmen?

Natürlich können wir das! Die Anwesenheit von Gedanken und Gefühlen bedeutet lediglich, dass Gedanken und Gefühle wahrgenommen werden können und dass sie vorhanden sind. Mehr nicht. Aber wir als persönliches Ich sind so schnell dabei, innerhalb von Sekunden die vorhandenen Gedanken und Gefühle zu interpretieren und glauben immer, dass sie etwas über uns aussagen oder dass wir etwas mit ihnen tun müssten.

Und genau das verursacht das ganze Leiden! Nicht die Gedanken, nicht die Gefühle … sondern die Vorstellung eines persönlichen Ich, dass immer etwas tun muss.

Wird das alles lediglich als das erkannt, was es ist – eine Interpretation – dann gibt es kein Problem.

Keine Erscheinung und keine Erfahrung  kann ein Zeichen dafür sein, dass Du nicht reines Bewusstsein bist. Darum muss auch nichts verhindert, unterdrückt oder ausgemerzt werden. Das Leiden wird nicht durch Umstände oder Erfahrungen verursacht, sondern einzig und allein durch die Interpretationen des Verstandes, der sich dabei immer auf das persönliche Ich bezieht. Nur so funktioniert er.

Nichts in dieser Betrachtung zielt darauf ab, irgendetwas los zu werden. Reines Bewusstsein leidet nicht. Darum erwartet es auch nicht, dass irgendetwas entfernt wird oder sich auflöst.

Reines Bewusstsein hat dieses Leben erschaffen, um sich selbst aus sich selbst heraus zu erfahren. Die Menschlichkeit bietet reinem Bewusstsein die Möglichkeit, dies zu tun.

Wir alle sitzen im selben Bott und bestehen aus der gleichen „Substanz“. Und nun scheint sich das Leben in einem Zustand zu entfalten, wo sich reines Bewusstsein als genau das erfährt, was es ist. Das ist Erwachen. Und das ist eine Erfahrung, die sich jeder Vorstellung und jeder Beschreibung entzieht. Doch genau auf diese Weise präsentiert sich reines Bewusstsein sich Selbst als reines Bewusstsein.

Auf die Frage „Wer bin ich“ gibt es nur eine Antwort. Ich bin reines Bewusstsein, unendlich und unbeschreiblich. Und je weniger ich eine Vorstellung davon habe, wer oder was ich zu sein scheine, desto mehr bin ICH. ICH bin niemand und zugleich jedermann … Ich bin Nichts und Alles – genau wie Du.

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